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Bastelfactory Die kleine Ideen-Fabrik
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| Verfasst am: Mi, 26.04.2006, 14:20 Titel: Der Zahnarztbesuch |
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02.10.2004 von Roxania
Im Dezember letzten Jahres kündigte sich wieder ein Tag an, den ich regelmäßig bis zum Jahresende hinausschiebe: Zahnarztbesuch!
An diesem Tag habe ich dann immer so komische Wackelpuddingbeine.
Jedenfalls wusste ich - wie so oft in den letzten Jahren - nicht einmal, zu welchem Zahnarzt ich denn gehen könnte.
Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt die Zahnärzte jährlich gewechselt wie andere ihre Hemden.
Da sagte Karin mit freudestrahlenden Augen zu mir:
"Also, wir haben da einen ganz tollen Zahnarzt entdeckt! Der ist voll nett, jung und witzig und auch den Sprechstundenhilfen merkt man an, dass das Arbeitsklima O.K. ist!"
Mit dem üblichen grummeln im Bauch ging ich also zum Zahnarzt.
Die Praxis erwies sich als freundlich, hell und modern ausgestattet. Die waren wirklich alle sehr nett und als ich mich endlich etwas beruhigt hatte sagte der Arzt freundlich lächelnd:" Tja, die Zähne sind Top, aber ich würde gerne eine Paradentosebehandlung bei Ihnen durchführen".
BUMS! Da hatten wir es mal wieder! Mein Lächeln erfror auf meinem Gesicht. Da war ja Bohren noch harmlos gegen!
Zwei Wochen später ging es dann schon los.
Zitternd nahm ich auf dem Behandlungsstuhl Platz. Von draußen drang die fröhliche Geräuschkulisse des Weihnachtsmarktes in das Zimmer aber ich fühlte mich wie auf dem elektrischen Stuhl.
Munter vor sich hin summend wusch er sich die Hände. Sichtlich aufgeräumt setzte er sich dann neben mich und sagte: "Dann wollen wir mal! Hrach, das wird ein Spaß!"
"Das Vergnügen ist einseitig!" murmelte ich entsetzt. Alle lachten.
Er setzte eine übertrieben ernste Mine auf streckt die Hand aus und sagte zur Sprechstundenhilfe ohne seinen bohrenden Blick von mir zu wenden:" Spritze! Die für Elefanten!"
Ich rutschte in dem Stuhl unmerklich immer tiefer. Dagegen kann ich nie etwas machen. Reine Körperunbeherrschung.
Wortlos drehte der Arzt sich um, fummelte am Monitor herum und plötzlich bewegte sich der Behandlungsstuhl nach oben.
Ich gab mich geschlagen, setzte mich in Positur und ergab mich meinem Schicksal.
Zu meiner Überraschung war es dann doch alles nicht so schlimm, wie ich dachte. Er hatte wohl meine Todesängste gespürt und war vorsichtig.
Seit dem war ich schon ein paar Mal bei ihm. Und ich muss gestehen: Karin hatte recht!
Da bin ich dann irgendwann mutiger geworden. Ich flachse jetzt auch mit den Sprechstundenhilfen und sogar mit dem Zahnarzt herum.
Für den letzten Teil der Paradentosebehandlung bat ich zur Betäubung um eine Glühweininfusion. Er sagte daraufhin prompt zu seiner Sprechstundenhilfe: "Kathi! 1 L Glühwein von dem Würstchenstand unten! Extra heiß! Schnell! Mach den Tropf vorher fertig, sonst kühlt uns der Glühwein noch ab!"
Na ,ja, hab dann doch dankend abgelehnt. Da war er sichtlich enttäuscht.
Bei meinem letzten Besuch vor einer Woche ging´s mir richtig gut. Keine Wackelbeine, kein Magengrimmen, nichts!
Bevor er anfing, wagte ich einen Witz:" Ein Skelett geht zum Zahnarzt. Sagt der Zahnarzt zum Skelett: Ihre Zähne sind in Ordnung, aber ihr Zahnfleisch macht mir Sorgen!"
Die Sprechstundenhilfe bekam einen Lachanfall, so dass ihr fast das Besteck aus den Händen fiel. Sie lachte tatsächlich Tränen!
Der Zahnarzt grinste von einem Ohr zum anderen: " Wirklich gut! Haha-ha-hahaha!"
Dann machte er sich an dem kleinen Monitor zu schaffen, mit dem er den Stuhl bewegen kann.
Ich hatte es mir schon bequem gemacht. Entspannt saß ich in dem Stuhl, der sich langsam nach oben bewegte. Dabei begann das Kopfteil sich nach unten zu bewegen und die Füße gingen immer mehr nach oben.
Allmählich hob sich der Stuhl auf Brustkorbhöhe des Arztes (und der ist nicht gerade klein!), mein Kopf sackte immer tiefer. Als ich spürte, wie mir das Blut in den Kopf schoss, richtete ich mich Panikartig auf.
Das war gar nicht mehr so einfach, der Stuhl hatte mittlerweile einen Winkel erreicht, der mir wieder mal in Erinnerung rief, dass ein dicker Bauch hinderlich sein kann.
"Ähh...... (räusper) ...ich....ha....hallo! Äh....!"
Er drehte sich um und sah die Bescherung. Er sagte nichts, wandte sich aber auffallend schnell wieder dem kleinen Bildschirm zu (ein sog. "Touch-Screen" auf Neudeutsch). Vorher sah ich aber, wie es um seine Mundwinkel verdächtig zuckte!
Der Stuhl bewegte sich wieder nach unten. Gerade rechtzeitig, den natürlich hatte niemand daran gedacht, mir die große Lampe aus den Weg zu nehmen. Bald wäre das auch nicht mehr nötig gewesen, dann hätten sie diese aus meinem Gesicht pflücken können.
Während der Abwärtsbewegung schloss sich auf einmal eine interessante Seitwärtsbewegung an, der Stuhl selbst nahm wieder seine normale Position ein, kippte aber dann weiter nach vorne. Langsam begann ich vom Stuhl zu rutschen. Er drehte sich wieder seitwärts und aus den Augenwinkeln sah ich, wie ich von dem großen Plastikarm mit dem Bildschirm überholt wurde.
Das ganze, riesige Gestell, das von weitem wie eine dreiarmige Krake aussieht, schien sich zu bewegen!
Mir ging ein Licht auf: "Jajaja! ´n bisschen schneller noch! Ich liiebe Achterbahn!" jubelte ich daraufhin los!
Er drückte noch ein paar mal grinsend auf dem Bildschirm herum, dann war alles wieder auf seiner alten Position.
Er bewegte den Stuhl dann nochmal in Brustkorbhöhe, da er diesmal im Stehen arbeiten wollte.
Dann ließ er den Stuhl wieder sinken und flötete:" Ist die Höhe so genehm? Kommen Sie so bequem vom Stuhl herunter?"
Mit todernster Mine dankte ich ihm für dieses zuvorkommende Verhalten.
Dann sah ich in von der Seite an und fragte: "Das war doch bestimmt nicht geplant, oder, ich meine, daß mit dem Stuhl?"
"Anfänglich nicht " grinste er," aber dann dachte ich, daß ihn sowieso mal voll ausprobieren wollte, wenn ein Patient drin sitzt. Ist aber nicht so einfach, eine Testperson zu finden. Aber ich war mir sicher, daß ich es mit Ihnen machen konnte!"
Ich wollte nur noch raus. Trotzdem mußte ich innerlich grinsen.
Als ich aus dem Wartezimmer meinen Mantel gefischt hatte, saß er vorne beim Empfang am Computer und starrte gebannt auf den Bildschirm. Die Sprechstundenhilfe sah ihm über die Schulter zu.
Plötzlich verzog er das Gesicht, schüttelte die rechte Hand und presste zwischen den Zähnen hervor:" Hach, Mann, ist das anstrengend! Jetzt hab ich doch glatt fast einen Krampf bekommen!"
Ich wollte ihm schon mein aufrichtiges Mitleid über seine schwere Arbeit bekunden ,als mein Blick zufällig auf den Bildschirm fiel.
Er hatte fast alle Raumschiffe und grünen Männchen abgeschossen und nun nahm er wieder die Mouse in die Hand um wie wild mit der Taste alles abzuballern.
" Jahhh-hahha! Pijuuuuu! Hähähä!". Mit kindlichen Glitzern in den Augen setzte er die Jagd fort.
Vorsichtig machte ich mich aus den Staub.
Leise zog ich die Tür von außen zu. |
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