schnuffelinchen
Anmeldungsdatum: 28.12.2005
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Wohnort: Berlin
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| Verfasst am: Fr, 14.04.2006, 21:50 Titel: Fruehlingserwachen |
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JOHANN WOLFGANG VON GOETHE
Fruehlingserwachen
Vom Eise befreit sind Strom und Baeche
durch des Fruehlings holden belebenden Blick,
im Tale gruenet Hoffnungsglueck;
der alte Winter, in seiner Schwaeche,
zog sich in rauhe Berge zurueck.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
ohnmaechtige Schauer koernigen Eises
in Streifen über die gruenende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
ueberall regt sich Bildung und Streben,
alles will sie mit Farben beleben;
doch an Blumen fehlt's im Revier,
sie nimmt geputzte Menschen dafuer.
Kehre dich um, von diesen Hoehen
nach der Stadt zurueckzusehen!
Aus dem hohlen, finstern Tor
dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
denn sie sind selber auferstanden:
aus niedriger Haeuser dumpfen Gemaechern,
aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
aus dem Druck von Giebeln und Daechern,
aus den Straßen quetschender Enge,
aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
durch die Gaerten und Felder zerschlaegt,
wie der Fluß in Breit und Laenge
so manchen lustigen Nachen bewegt,
und, bis zum Sinken ueberladen,
entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getuemmel,
hier ist des Volkes wahrer Himmel,
zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein! |
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