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Bastelfactory Die kleine Ideen-Fabrik
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Leddes
Anmeldungsdatum: 11.01.2007
Beiträge: 1356
Wohnort: Baden-Baden
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| Verfasst am: Di, 07.10.2008, 22:44 Titel: Theodor Storm (1817-1888) |
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Abseits
Es ist so still; die Heide liegt
Im warmen Mittagssonnenstrahle,
ein rosenroter Schimmer fliegt
Um ihre alten Gräbermale;
Die Kräuter blühn; der Heideduft
Steigt in die blaue Sommerluft.
Laufkäfer hasten durchs Gesträuch
In ihren goldnen Panzerröckchen.
Die Bienen hängen Zweig um Zweig
Sich an der Edelheide Glöckchen,
Die Vögel schwirren aus dem Kraut -
Die Luft ist voller Lerchenlaut.
Ein halbverfallen, niedrig Haus
Steht einsam hier und sonnbeschienen,
Der Kätner lehnt zur Tür hinaus,
Behaglich blinzelnd nach den Bienen;
Sein Junge auf dem Stein davor
Schnitzt Pfeifen sich aus Kälberrohr.
Kaum zittert durch die Mittagsruh
Ein Schlag der Dorfuhr, der entfernten;
Dem Alten fällt die Wimper zu,
Er träumt von seinen Honigernten.
-Kein Klang der aufgeregten Zeit
Drang noch in diese Einsamkeit. |
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Leddes
Anmeldungsdatum: 11.01.2007
Beiträge: 1356
Wohnort: Baden-Baden
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| Verfasst am: Di, 07.10.2008, 22:53 Titel: |
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In Bulemanns Haus
Es klippt auf den Gassen im Mondenschein;
Das ist die zierliche Kleine,
Die geht auf ihren Pantöffelein
Behend und mutterseelenallein
Durch die Gassen im Mondenscheine;
Sie geht in ein altverfall'nes Haus;
Im Flur ist die Tafel gedecket,
Da tanzt vor dem Monde die Maus mit der Maus,
Da setzt sich das Kind mit den Mäusen zum Schmaus,
Die Tellerlein werden gelecket.
Und leer sind die Schüsseln; die Mäuslein im Nu
Verrascheln in Mauer und Holze;
Nun läßt es dem Mägdlein auch länger nicht Ruh,
Sie schüttelt die Kleidchen, sie schnürt sich die Schuh,
Dann tritt sie näher mit Stolze.
Es leuchtet ein Spiegel aus goldnem Gestell,
Da schaut sie hinein mit Lachen;
Gleich schaut auch heraus ein Mägdlein hell,
Das ist ihr einziger Spielgesell;
Nun wollen sie sich lustig machen.
Sie nickt voll Huld, ihr gehört ja das Reich;
Da neigt sich das Spiegelkindlein,
Da neigt sich das Kind vor dem Spiegel zugleich,
Da neigen sich beide gar anmutreich,
Da lächeln die rosigen Mündlein.
Und wie sie lächeln, da hebt sich der Fuß,
Es rauschen die seidenen Röcklein,
Die Händchen werfen sich Kuß um Kuß,
Das Kind mit dem Kinde nun tanzen muß,
Es tanzen im Nacken die Löcklein.
Der Mond scheint voller und voller herein,
Auf dem Estrich gaukeln die Flimmer;
Im Takte schweben die Mägdelein,
Bald tauchen sie tief in die Schatten ein,
Bald stehn sie in bläulichem Schimmer.
Nun sinken die Glieder, nun halten sie an
Und atmen aus Herzensgrunde;
Sie nahen sich schüchtern und beugen sich dann
Und knien voreinander und rühren sich an
Mit dem zarten, unschuldigen Munde.
Doch müde werden die beiden allein
Von all der heimlichen Wonne;
Sehnsüchtig flüstert das Mägdelein:
"Ich mag nicht mehr tanzen im Mondenschein,
Ach, käme doch endlich die Sonne!"
Sie klettert hinunter ein Trepplein schief
Und schleicht hinab in den Garten.
Die Sonne schlief, und die Grille schlief:
"Hier will sich sitzen im Grase tief,
Und der Sonne will ich warten."
Doch als nun morgens um Busch und Gestein
Verhuschet das Dämmergemunkel,
Da werden dem Kinde die Äugelein klein;
Sie tanzte zu lange bei Mondenschein,
Nun schläft sie bei Sonnengefunkel.
Nun liegt sie zwischen den Blumen dicht
Auf grünem, blitzendem Rasen;
Und es schauen ihr in das süße Gesicht
Die Nachtigall und das Sonnenlicht
Und die kleinen neugierigen Hasen. |
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Leddes
Anmeldungsdatum: 11.01.2007
Beiträge: 1356
Wohnort: Baden-Baden
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| Verfasst am: Di, 07.10.2008, 23:01 Titel: |
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Oktoberlied
Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!
Und geht es draußen noch so toll,
Unchristlich oder christlich,
Ist doch die Welt, die schöne Welt,
So gänzlich unverwüstlich!
Und wimmert auch einmal das Herz
Stoß an und lass es klingen!
Wir wissen's doch, ein rechtes Herz
Ist gar nicht umzubringen.
Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
Schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
Vergolden, ja vergolden!
Wohl ist es Herbst; doch warte nur,
Doch warte nur ein Weilchen!
Der Frühling kommt, der Himmel lacht,
Es steht die Welt in Veilchen.
Die blauen Tage brechen an,
Und ehe sie verfließen,
Wir wollen sie, mein wackrer Freund,
Genießen, ja genießen! |
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Leddes
Anmeldungsdatum: 11.01.2007
Beiträge: 1356
Wohnort: Baden-Baden
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| Verfasst am: Di, 07.10.2008, 23:06 Titel: |
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Die Nachtigall
Das macht, es hat die Nachtigall
Die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süßen Schall,
Da sind in Hall und Widerhall
Die Rosen aufgesprungen.
Sie war doch sonst ein wildes Blut;
Nun geht sie tief in Sinnen,
Trägt in der Hand den Sommerhut
Und duldet still der Sonne Glut
Und weiß nicht, was beginnen.
Das macht, es hat die Nachtigall
Die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süßen Schall,
Da sind in Hall und Widerhall
Die Rosen aufgesprungen. |
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Leddes
Anmeldungsdatum: 11.01.2007
Beiträge: 1356
Wohnort: Baden-Baden
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| Verfasst am: Do, 09.10.2008, 17:27 Titel: |
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An die Freunde
Wieder einmal ausgeflogen,
Wieder einmal heimgekehrt;
Fand ich doch die alten Freunde
Und die Herzen unversehrt.
Wird uns wieder wohl vereinen
Frischer Ost und frischer West?
Auch die losesten der Vögel
Tragen allgemach zu Nest.
Immer schwerer wird das Päckchen,
Kaum noch trägt es sich allein;
Und in immer engre Fesseln
Schlinget uns die Heimat ein.
Und an seines Hauses Schwelle
Wird ein jeder festgebannt;
Aber Liebesfäden spinnen
Heimlich sich von Land zu Land. |
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Maria
Anmeldungsdatum: 01.09.2008
Beiträge: 1056
Wohnort: Beim 1 Baum links abbiegen in Tirol
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| Verfasst am: Do, 09.10.2008, 17:54 Titel: |
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Super
Die letzten zwei kannte ich noch von der Schule :lol: |
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nachteule
Anmeldungsdatum: 24.03.2007
Beiträge: 2186
Wohnort: Hamburg
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| Verfasst am: Do, 09.10.2008, 20:59 Titel: |
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| Ich mag Storm, besonders seine beiden Novellen Pole Poppenspäler und der Schimmelreiter. |
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Leddes
Anmeldungsdatum: 11.01.2007
Beiträge: 1356
Wohnort: Baden-Baden
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| Verfasst am: Do, 09.10.2008, 21:10 Titel: |
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Hallo Nachteule
Hier ein Link
http://www.digbib.org/Theodor_Storm_1817/Der_Schimmelreiter
und
http://www.digbib.org/Theodor_Storm_1817/Pole_Poppenspaeler
http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=2797&kapitel=1#gb_found
Gruß Leddes |
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Anja1970
Anmeldungsdatum: 12.12.2005
Beiträge: 23535
Wohnort: Alsdorf
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| Verfasst am: Do, 09.10.2008, 21:56 Titel: |
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| Ich kann mich kaum an meine schulzeit erinnern, aber bekannt kommt mir das eine oder andere vor.... tolle Gedichte |
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Maria
Anmeldungsdatum: 01.09.2008
Beiträge: 1056
Wohnort: Beim 1 Baum links abbiegen in Tirol
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| Verfasst am: Do, 09.10.2008, 22:13 Titel: |
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@Anja wir mußten die immer als Strafarbeit lernen
Ich war kein besonders braves Kind bei 10 Geschwistern |
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Leddes
Anmeldungsdatum: 11.01.2007
Beiträge: 1356
Wohnort: Baden-Baden
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| Verfasst am: Do, 09.10.2008, 22:49 Titel: |
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Auf dem hohen Küstensande
Auf dem hohen Küstensande
Wandre ich im Sonnenstrahl;
Über die beglänzten Lande
Bald zum Meere, bald zum Strande
Irrt mein Auge tausendmal.
Aber die Gedanken tragen
Durch des Himmels ewig Blau
Weiter, als die Wellen schlagen,
Als der kühnsten Augen Wagen,
Mich zur heißgeliebten Frau.
Und an ihre Türe klink ich,
Und es rufr (ruft) so süß: Herein!
Und in ihre Arme sink ich,
Und von ihren Lippen trink ich,
Und aufs neue ist sie mein |
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Leddes
Anmeldungsdatum: 11.01.2007
Beiträge: 1356
Wohnort: Baden-Baden
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| Verfasst am: Do, 09.10.2008, 22:52 Titel: |
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Auf Wiedersehen
Das Mädchen spricht:
Auf Wiedersehn! Das ist ein trüglich Wort! -
O reiß dich nicht von meinem warmen Herzen!
Auf Wiedersehn! Das spricht von Seligkeit
Und bringt mir doch so tausend bittre Schmerzen.
Auf Wiedersehn! Das Wort ist für den Tod! -
Weißt du, wie über uns die Sterne stehen!
Noch schlägt mein Herz, und meine Lippe glüht -
Mein süßer Freund, ich will dich immer sehen.
Du schwurst mir ja, mein Aug bezaubre dich;
Schaut ich dich an, so könntst du nimmer gehen!
Mein bist du ja! - Erst wenn mein Auge bricht,
Dann küß mich sanft und sprich: Auf Wiedersehen! |
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