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Bastelfactory Die kleine Ideen-Fabrik
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Leddes
Anmeldungsdatum: 11.01.2007
Beiträge: 1356
Wohnort: Baden-Baden
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| Verfasst am: Di, 07.10.2008, 22:10 Titel: Annette von Droste-Hülshoff (1797-1848) |
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Für meine Mutter
So gern hätt' ich ein schönes Lied gemacht
Von Deiner Liebe, deiner treuen Weise;
Die Gabe, die für andre immer wacht,
Hätt' ich so gern geweckt zu deinem Preise.
Doch wie ich auch gesonnen mehr und mehr,
Und wie ich auch die Reime mochte stellen,
Des Herzens Fluten wallten darüber her,
Zerstörten mir des Liedes zarte Wellen.
So nimm die einfach schlichte Gabe hin,
Von einfach ungeschmücktem Wort getragen,
Und meine ganze Seele nimm darin:
Wo man am meisten fühlt, weiß man nicht viel zu sagen! |
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Leddes
Anmeldungsdatum: 11.01.2007
Beiträge: 1356
Wohnort: Baden-Baden
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| Verfasst am: Di, 07.10.2008, 22:14 Titel: |
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Am Bodensee
Über Gelände, matt gedehnt,
Hat Nebelhauch sich wimmelnd gelegt,
Müde, müde die Luft am Strande stöhnt,
Wie ein Roß, das den schlafenden Reiter trägt;
Im Fischerhause kein Lämpchen brennt,
Im öden Turme kein Heimchen schrillt,
Nur langsam rollend der Pulsschlag schwillt
In dem zitternden Element.
Ich hör es wühlen am feuchten Strand,
Mir unterm Fuße es wühlen fort,
Die Kiesel knistern, es rauscht der Sand,
Und Stein an Stein entbröckelt dem Bord.
An meiner Sohle zerfährt der Schaum,
Eine Stimme klaget im hohlen Grund,
Gedämpft, mit halbgeschlossenem Mund,
Wie des grollenden Wetters Traum.
Ich beuge mich lauschend am Turme her,
Sprühregenflitter fährt in die Höh',
Ha, meine Locke ist feucht und schwer!
Was treibst du denn, unruhiger See?
Kann dir der heilige Schlaf nicht nahn?
Doch nein, du schläfst, ich seh es genau,
Dein Auge decket die Wimper grau,
Am Ufer schlummert der Kahn.
Hast du so vieles, so vieles erlebt,
Daß dir im Traume es kehren muß,
Daß deine gleißende Nerv' erbebt,
Naht ihr am Strand eines Menschen Fuß?
Dahin, dahin! die einst so gesund,
So reich und mächtig, so arm und klein,
Und nur ihr flüchtiger Spiegelschein
Liegt zerflossen auf deinem Grund.
Der Ritter, so aus der Burg hervor
Vom Hange trabte in aller Früh';
- Jetzt nickt die Esche vom grauen Tor,
Am Zwinger zeichnet die Mylady. -
Das arme Mütterlein, das gebleicht
Sein Leichenhemde den Strand entlang,
Der Kranke, der seinen letzten Gang
An deinem Borde gekeucht;
Das spielende Kind, das neckend hier
Sein Schneckenhäuschen geschleudert hat,
Die glühende Braut, die lächelnd dir
Von der Ringelblume gab Blatt um Blatt;
Der Sänger, der mit trunkenem Aug'
Das Metrum geplätschert in deiner Flut,
Der Pilger, so am Gesteine geruht,
Sie alle dahin wie Rauch!
Bist du so fromm, alte Wasserfei,
Hältst nur umschlungen, läßt nimmer los?
Hat sich aus dem Gebirge die Treu'
Geflüchtet in deinen heiligen Schoß?
Oh, schau mich an! ich zergeh wie Schaum,
Wenn aus dem Grabe die Distel quillt,
Dann zuckt mein längst zerfallenes Bild
Wohl einmal durch deinen Traum! |
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Leddes
Anmeldungsdatum: 11.01.2007
Beiträge: 1356
Wohnort: Baden-Baden
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| Verfasst am: Di, 07.10.2008, 22:16 Titel: |
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Am Charfreitage
Weinet, weinet, meine Augen,
Rinnt nur lieber gar zu Tränen;
Ach, der Tag will euch nicht taugen,
Und die Sonne will euch höhnen!
Seine Augen sind geschlossen,
Seiner Augen süßes Scheinen;
Weinet, weinet unverdrossen,
Könnt doch nie genugsam weinen!
Als die Sonne das vernommen,
Hat sie eine Trauerhülle
Um ihr klares Aug' genommen,
Ihre Thränen fallen stille.
Und ich will noch Freude saugen
Aus der Welt, der hellen, schönen?
Weinet, weinet, meine Augen,
Rinnt nur lieber gar zu Tränen!
Still, Gesang und alle Klänge,
Die das Herze fröhlich machen!
Kreuz'ge, kreuz'ge, brüllt die Menge,
Und die Pharisäer lachen.
Jesu mein, in deinen Schmerzen
Kränkt dich ihre Schuld vor Allen;
Ach, wie ging es dir zu Herzen,
Daß so Viele mußten fallen!
Und die Vöglein arm, die kleinen,
Sind so ganz und gar erschrocken,
Daß sie lieber möchten weinen,
Wären nicht die Äuglein trocken,
Sitzen traurig in den Zweigen,
Und kein Laut will rings erklingen.
Herz, die armen Vöglein schweigen,
Und du mußt den Schmerz erzwingen!
Weg mit goldenen Pokalen,
Süßem Wein vom edlen Stamme!
Ach, Ihn sengt in seinen Qualen
Noch des Durstes heiße Flamme,
Daß er laut vor Schmerz muß klagen,
Erd' und Himmel muß erbleichen,
Da die Henkersknecht' es wagen
Gall' und Essig ihm zu reichen.
Weiche Polster, seidne Kissen,
Kann mir noch nach euch verlangen,
Da mein Herr so gar zerrissen
Muß am harten Kreuze hangen?
O wie habt ihr ihn getroffen,
Dorn und Nagel, Rut' und Spieße!
Doch das Schuldbuch liegt ja offen,
Daß sein heilig Blut es schließe.
In der Erde alle Toten
Fahren auf wie mit Entsetzen,
Da sie mit dem heil'gen roten
Blute sich beginnt zu netzen;
Können nicht mehr ruhn, die Toten,
Wo sein köstlich Blut geflossen;
Viel zu heilig ist der Boden,
Der so teuren Trank genossen.
Er, der Herr in allen Dingen,
Muß die eigne Macht besiegen,
Daß er mit dem Tod kann ringen
Und dem Tode unterliegen.
Gänzlich muß den Kelch er trinken;
Menschenkind, kannst du's ertragen?
Seine süßen Augen sinken,
Und sein Herz hört auf zu schlagen.
Als nun Jesu Herz tut brechen,
Bricht die Erd' in ihren Gründen,
Bricht das Meer in seinen Flächen,
Bricht die Höll' in ihren Schlünden;
Und der Felsen harte Herzen
Brechen all' mit lautem Knalle;
Ob in Wonne, ob in Schmerzen?
Bricht's der Rettung, bricht's dem Falle?
Und für wen ist denn gerungen
In den qualenvollen Stunden,
Und der heil'ge Leib durchdrungen
Mit den gnadenvollen Wunden?
Herz, mein Herz, kannst du nicht springen
Mit den Felsen und der Erde?
Nur, daß ich mit blut'gen Ringen
Neu an ihn gefesselt werde!
Hast du denn so viel gegeben,
Herr, für meine arme Seele,
Ist ihr ewig, ewig Leben
Dir so wert trotz Schuld und Fehle:
Ach, so laß sie nicht gefunden
Sein, um tiefer zu vergehen!
Laß sie deine heil'gen Wunden
Nicht dereinst mit Schrecken sehen! |
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Maria
Anmeldungsdatum: 01.09.2008
Beiträge: 1056
Wohnort: Beim 1 Baum links abbiegen in Tirol
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| Verfasst am: Di, 07.10.2008, 22:17 Titel: |
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:volldoll: Vielen Dank
Deine Gedichte haben mir schon gefehlt |
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Leddes
Anmeldungsdatum: 11.01.2007
Beiträge: 1356
Wohnort: Baden-Baden
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| Verfasst am: Di, 07.10.2008, 22:18 Titel: |
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Am Charsamstag
Tiefes, ödes Schweigen,
Die ganze Erd' wie tot!
Die Lerchen ohne Lieder steigen,
Die Sonne ohne Morgenrot:
Auf die Welt sich legt
Der Himmel matt und schwer,
Starr und unbewegt
Wie ein gefrornes Meer.
O Herr, erhalt' uns!
Meereswogen brechen,
Sie toben sonder Schall;
Nur die Menschenkinder sprechen,
Doch schaurig schweigt der Widerhall.
Wie versteinet steht
Der Äther um uns her,
Dringt wohl kein Gebet
Durch ihn zum Himmel mehr?
O Herr, erhalt' uns!
Sünden sind geschehen
Für jedes Wort zu groß,
Daß die Erde müßt' vergehen,
Trüg' sie nicht Jesu Leib im Schoß.
Noch im Tod voll Huld
Erhält sein Leib die Welt,
Daß in ihrer Schuld
Sie nicht zu Staub zerfällt.
O Herr, verschon' uns!
Jesus liegt im Grabe,
Im Grabe liegt mein Gott!
Was ich von Gedanken habe,
Ist doch dagegen nur ein Spott.
Kennt in Ewigkeit
Kein Jesus mehr die Welt?
Keiner der verzeiht,
Und keiner der erhält?
O Herr, errett' uns!
Ach, auf jene Frommen,
Die seines Heils geharrt,
Ist die Glorie gekommen
Mit seiner süßen Gegenwart.
Harrten seiner Huld:
Vergangenheit die Zeit,
Gegenwart Geduld,
Zukunft die Ewigkeit.
O Herr, erlös' uns!
Lange, lange Zeiten
In Glauben und Vertraun
Durch die unbekannten Weiten
Nach unbekanntem Heil sie schaun;
Dachten sich so viel,
Viel Seligkeit und Pracht;
Ach, es war wie Spiel,
Von Kindern ausgedacht.
O Herr, befrei' uns!
Herr, ich kann nicht sprechen
Vor deinem Angesicht!
Laß die ganze Schöpfung brechen,
Diesen Tag erträgt sie nicht!
Ach, was naht so schwer?
Ist es die ew'ge Nacht?
Ist's ein Sonnenmeer
In tausend Strahlenpracht?
O Herr, erhalt' uns! |
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